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Special vom 23.05.2006 |
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Pop Kick 06: Fußball und Musik |
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| Seeed eröffnen den Pop Kick 06 |
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| Björn Döring |
DORTMUND, 23.05.06 (100) Bald ist sie da: Die Fußball-WM im eigenen Land, das "Jahrhundertereignis", der mediale ballrunde Wahnsinn. Fliehen ist sinnlos. Wohin auch, wenn die Welt zu Gast bei Freunden ist und man auch im Rest von Europa, im Rest der Welt der globalen Fußballmaschinerie nicht entkommen kann. Letzte Zufluchtsorte könnten höchstens partiell TV freie Zonen wie Lappland, die Mongolei oder der Nordpol sein.
Die zweite Alternative, die sich einem noch bietet, ist die innere Emigration. Doch es ist Sommer, man will raus und alle Freunde und Bekannten wollen Fußball, Fußball und Grillfleisch. Was ist also zu tun: Die Freunde wechseln, die Wohnung nicht verlassen, den Fernseher aus dem Fenster schmeißen?
Zumindest in Berlin bietet sich eine attraktive Alternative. Das Festival Pop Kick versucht Fußballmuffel und Fußballverrückte zu versöhnen und beide Gruppen mittels Musik zusammen zu bringen. Auf Großleinwänden werden im lauschigen Treptower Park alle WM Spiele live übertragen und ein Musikprogramm geboten, das selbst Menschen mit Fußballallergie auf den grünen Rasen locken wird.
Vom 9. Juni, dem Tag des Eröffnungsspiels, bis zum Finale am 9. Juli treten zum musikalischen Kick-Off u. a. Seeed, die Briten von Lightning Seeeds, Marcelo D2 aus Brasilien, Senor Coconut, der Schweizer William White, Mia und Patrice an. Wie diese kleine Auswahl an Highlights schon zeigt, haben sich die Veranstalter bemüht, Künstler aus allen WM-Teilnehmerländern zu verpflichten. So kann man seine Sympathie mit den Kickern aus Mexiko mit der Gruppe Los de Abajo teilen, die ihr Heimatland, wenn es auf dem Feld mal nicht klappen sollte, zumindest musikalisch ganz weit nach vorne bringen werden.
Neben Fußball und Musik sind aber auch noch weitere Veranstaltungen geplant, zu denen ein Spielprogramm für Groß und Klein, ein Promi-Fußballturnier, ein breit gefächertes kulinarisches Angebot und Ausstellungen zu den Teilnehmerländern gehören. Die Veranstalter scheinen also tatsächlich an jeden gedacht zu haben, was sich in positiver Resonanz niederschlägt: Das Konzert zum Eröffnungsspiel von Seeed ist bereits ausverkauft. Deswegen wurde noch ein Zusatzkonzert am Finaltag mit den Lokalmatadoren vereinbart. In diesem Sinne findet in Berlin die WM mit Seeed ihren Anfang und Ende.
Hier eine kleine Auswahl aus dem reichhaltigen Konzertangebot:
Seeed (Berlin) am 9.6 und 9.7.2006
Lightning Seeds (GB) am 10.6
Sara Tavares (Por) / Pete Philly (NL) am 11.6.
Marcello D2 (BRA) am 13.6.
Kosheen (GB) am 15.6.
Tiken Jah Fakoly (CIV) am 16.6.
Senor Coconut & his orchestra (D/Jap) am 18.6.
Culcha Candela (D) am 20.6.
William White (CH) am 23.6.
Los de Abajo (MEX) am 25.6.
MIA (Berlin) am 30.6.
Patrice (D) am 1.7.
17 Hippis (D) am 8.7.
Präsentiert wird die Fußball-Party von popdeurope und der Arena Berlin. Sympathisch ist auch die Preisgestaltung des Festivals: `Normale` Tickets kosten 3 ¤, die Karten für die Tage mit Headliner-Konzerten wie Seeed oder Mia schlagen mit 7,50 ¤ zu Buche, darin ist aber auch ein Bahnticket enthalten. Alle weiteren Informationen zum Pop Kick 06, zu Künstlern und Eintrittskarten sind unter www.popkick.de zu finden.
Die Veranstaltung ist für Deutschland in Zeiten der WM relativ ungewöhnlich, da ansonsten das öffentliche Leben abseits vom Fußball in dieser Zeit stillzustehen scheint. Grund genug für POP100 mit Björn Döring von der Arena Berlin über das Festival, die FIFA und die Unmöglichkeit der Planung zu reden.
POP100: Was hat euch bewegt, diese Veranstaltung ins Leben zu rufen?
Björn Döring: Der wundersame Wahnsinn, der da heißt Fußball-Weltmeisterschaft. Wir haben ja tatsächlich die Veranstaltung Pop-Kick jetzt neu ins Leben gerufen. Das heißt nicht, dass das keine Vorgeschichte hätte. Die Vorgeschichte besteht einerseits in der Arena Berlin, die es seit 10 Jahren als Kulturstandort gibt und die Theater, Musik und in allen möglichen Bereichen sehr viel macht. Der andere Teil ist das Festival popdeurope, für das ich seit 5 Jahren zuständig bin und das im Sommer 2005 zum ersten Mal hier in der Arena stattgefunden hat, vorher im Haus der Kulturen der Welt war. Wir beide hatten unabhängig von einander WM-Pläne geschmiedet, deren Hauptwurzel eigentlich darin lag, zu sagen, es wird mit Sicherheit so etwas kommen, wie es in Form der FIFA Fan Feste tatsächlich auch gekommen ist. Eine große, zentrale Veranstaltung vor dem Brandenburger Tor. Es war auch schnell, fand ich , absehbar, dass diese Veranstaltung aus der Schweiz in irgendeiner Weise ganz stark bestimmt sein würde. Und wir wollten etwas ins Leben rufen, was Berlin deutlich stärker zum Tragen bringt und was Berlin in den Vordergrund bringt. Und das war eben dieser Pop-Kick 06, bei dem beide Ideen von Arena und popdeurope zusammengekommen sind. Und die Idee war es eben auch, zu sagen, für so etwas Außergewöhnliches wie eine wie Fußballweltmeisterschaft in Deutschland, wollen wir auch an einen ungewöhnlichen Ort gehen. Es gab schon mehrfach, viele Jahre früher, Gespräche zwischen der Arena und dem Bezirk Köpenick, ob man diese Tradition nicht aufgreifen könnte, etwas im Treptower-Park zu machen. Das letzte Konzert fand ja dort 1987 mit Bob Dylan statt, noch von der FDJ-Bezirksleitung organisiert. Danach gab es dort keine Konzerte mehr. Angesichts der Fußball-WM und der möglichen Strahlkraft dieser Veranstaltung war dann der Bezirk auch zum ersten Mal gesprächsbereit, darüber überhaupt nachzudenken, ob man so etwas mal macht. Und das ist dann sehr schnell sehr konkret geworden. Popdeurope war einer von fünf Kulturpartnern der Stadt für die Fußball-WM und der Bezirk hat uns geholfen, diese Fläche Treptower-Park zu bekommen.
Inwiefern hattet ihr Kontakt zur FIFA? Musstet ihr euch mit denen abstimmen?
Das muss ja jeder, der die Spiele zeigen will in einem Raum, der größer ist als ein Wohnzimmer. Dadurch, dass wir Kulturpartner der Stadt Berlin sind, waren wir zunächst mal per se relativ eng an der FIFA dran. Es gibt ja diese Klassifizierung A, B, C-Event, die auch so ein bisschen die Schwere der Auflage mit definiert. Als privater Veranstalter kann man mit diesen Auflagen, die im Bereich Sponsoring etc. gemacht werden, gar nicht agieren. Das ist unmöglich, es sei denn man hat sehr viel Geld, was man zum Fenster herausschmeißen kann. Das ist also praktisch unmöglich, da man keine anderen Sponsoren als die offiziellen Sponsoren ansprechen darf, keine Warensegment-Konkurrenten etc. Das heißt es blieb kaum noch etwas übrig außer Sargschreinereien und noch ein paar kleinere Betriebe, die aber bestimmt nicht so ein Fest sponsern würden. Das heißt wir haben uns da, soweit es ging, wieder von der FIFA entkoppelt, sind nach wie vor Kulturpartner der Stadt, haben aber unsererseits versucht, größtmögliche Distanz zu wahren. Jetzt sind wir ein Public-Viewing Event, der sich den Regeln des Public Viewing unterzieht, aber nicht den FIFA Marketing und FIFA Sponsoring Vorstellungen.
Ihr habt einen relativ preiswerten Eintrittspreis ausgelobt. Konntet ihr oder wolltet ihr nicht mehr nehmen?
Wir wollten es ehrlich gesagt sogar bei freiem Eintritt machen und hätten mit den ersten Sponsoren, die Interesse signalisiert haben, das auch hinbekommen. Das waren nun aber dummerweise jeweils, wie wir nach langer Recherche herausgefunden haben, dann doch irgendwo immer Konkurrenten der FIFA, so dass wir denen Absagen mussten und letztendlich die Entscheidung gefällt haben, dass wir einen Eintrittspreis nehmen müssen, der aber der gefühlten Null relativ nah sein soll. Zugleich haben wir aber auch gedacht, dass es eine Hoch-Risikogeschichte wäre, wirklich Konzerte mit einem normalen Eintrittspreis von 30, 35 ¤ im Zeitraum der WM zu organisieren. Die bisherige Erfahrung hat gezeigt, dass bei solchen Riesensportevents, selbst wenn sie nicht in Deutschland stattgefunden haben, die Straßen hier tatsächlich leergefegt sind. Entweder man zeigt die Spiele und kombiniert das mit irgendwas oder man lässt es eben komplett bleiben. Und so haben wir uns gegen die Variante, normale Konzerte bei hohem Eintrittspreis zu machen, entschieden.Wir haben einfach die Größe der Fläche, die wir da zur Verfügung haben, genutzt, um betriebswirtschaftlich, so zu sagen, eine andere Rechnung auf zu machen. Wir haben dann gesagt, wir machen eine Mischfinanzierung. Gleichzeitig wollen wir aber auch ein größtmöglichstes Publikum ansprechen. Die Fans des Einen sollen so zu sagen auch mit den Fans des Anderen in Verbindung gebracht werden. Die Musikfans sollen auch gerne mal zum Fußballgucken eingeladen werden und umgekehrt. Von daher war das dann ein ganz gutes Rechenmodell, zumal uns die S-Bahn Berlin und die BVG da auch sehr schnell entgegen gekommen sind. Die geben zu unseren großen Veranstaltungen mit den Headliner-Namen auch Kombitickets raus, so dass man für 7,50¤ z. B nicht nur Seeed sehen kann und das Eröffnungsspiel Deutschland - Costa Rica, sondern eben auch noch die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gleich noch im Preis mit drin hat.
Rechnest du mit Publikum von außerhalb Berlins?
Ja, von dem was wir jetzt schon an Internetbuchungen für die Konzerte bekommen, sehen wir deutlich, dass es da großes Interesse gibt. Es startet ja jetzt die ganze bundesweite Presse, wo wir auch merken, dass das ganze auch als reines Musikfestival eine ziemlich hohe Attraktivität hat. Andererseits arbeiten wir ja auch ganz stark mit den Botschaften der WM Länder zusammen, auch mit den jeweiligen Fanprojekten. D. h. die Kunde trägt sich schon so rum. Wir sind ja auch in Kooperation mit der Berlin Tourismus Marketing. Was dann nun genau passiert, das weiß ja kein Mensch, also, wie viele Leute dann zusätzlich kommen und eigens wegen der WM. Ob die Besucher nur an den Tagen kommen, an denen Spiele im Olympiastadion sind oder ob ein Fan der japanischen Mannschaft z. B. denkt, wenn ich schon nach Europa und nach Deutschland komme, dann muss ich aber auch noch nach Berlin in der Zeit. Das kann ja niemand vorhersehen. Dieser Schock, der vor zwei Wochen oder so stattfand, als die FIFA 60% ihrer reservierten Hotelbetten zurückgegeben hatt, der sitzt ja erstmal tief. Man hat ja zuerst mit drei Millionen zusätzlichen Gästen gerechnet und hatte da diese schon geblockten Zimmer mit eingerechnet. Jetzt weiß man nicht, ob diese noch verbucht werden und ob viele Menschen zusätzlich kommen oder nicht. Da wird man sich, so glaube ich, richtig überraschen lassen müssen. Aber ich gehe davon aus, dass bei diesem Preisangebot, auch mit dem künstlerischen Angebot, dass man im Park sein kann, dass das schon ein junges, mobiles Publikum anspricht. (ra) |
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