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Special vom 01.03.2005 |
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Mach mir den Andorfer! |
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Catharina Mühlemann erbt betriebliches Vermächtnis von Gorny |
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Das wars! Nie mehr Mr. Viva! Dieter Gorny |
BERLIN, KÖLN, 28.02.2005, (mtv/100). Am 28. Februar wurde der Mantel des Schweigens endlich gelüftet. Der Viva-Belegschaft wurde im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung verkündet, wie die neuen Eigentümer die Zukunft des von Viacom übernommenen Unternehmens planen.
Nach Angaben von MTV wird das Musikfernsehgeschäft künftig in Berlin angesiedelt, während das Entertainment Geschäft der Viva Unternehmensgruppe in Köln verbleiben soll. Damit sind die Weichen gestellt für den langerwarteten und mitunter befürchteten Umbau von Viva, der mit weitreichenden Eingriffen in die bisherige Unternehmensstruktur der Musiksender verbunden ist.
Der Weg für die Bekanntgabe des nun verkündeten Maßnahmepakets wurde rein formell vom noch amtierenden Viva-Aufsichtsrat geebnet. Offiziell ist der berühmt-berüchtigte Beherrschungsvertrag noch immer nicht in Kraft, da der Eintrag der Übernahme im Handelsregister seitens des zuständigen Amtsrichters nach wie vor aussteht.
Da Zeit aber bekanntlich Geld ist, haben die verantwortlichen Fachkräfte nun aber einen juristisch legalen Modus gefunden, der es MTV ermöglicht, obgleich unter erschwerten Bedingungen, operativ jene Planungen umzusetzen, über die bislang lediglich spekuliert wurde.
In mehr oder minder vermeintlichem Einvernehmen mit der NRW-Landespolitik beinhaltet der Maßnahmenkatalog einige grundsätzliche betriebliche Änderungen, die zumeist für die Mitarbeiter sowie des Betriebrats des Unternehmens nur schwer zu verdauen sein werden.
Demnach heißt es in der Presseerklärung, dass von 600 Viva-Beschäftigen in Köln 120 Festangestellte ihren Arbeitsplatz verlieren sowie das ferner eine unbenannte Zahl von befristeten Arbeitsverträgen nicht verlängert werde. Auf Nachfrage bezifferte eine Unternehmenssprecherin von MTV die Zahl der davon betroffenen Beschäftigungsverhältnisse auf 91. Zusammengenommen addiert sich die Zahl aller geplanten Freisetzungen damit auf 211 Arbeitsplätze. Unter Berücksichtigung des Umstands, dass von den angeführten „600 Mitarbeitern der Viva-Gruppe“ allein 300 Mitarbeiter bei der ebenfalls in Köln verbleibenden Viva-Tochter Brainpool beschäftigt sind, beläuft sich die tatsächliche Zahl der noch weiterhin für Viva tätigen Mitarbeiter demnach gerade mal auf 89 Beschäftigte. Die Produktionsfirma Brainpool agierte bereits in der Vergangenheit weitestgehend selbstständig und unabhängig von der Konzernmutter Viva und bleibt von der anstehenden Kündigungswelle unberührt.
Insgesamt 45 Viva-Mitarbeiter sollen einen Arbeitsplatz bei MTV in Berlin angeboten bekommen. Hiervon betroffen sind vor allem Mitarbeiter der verschiedenen Redaktionen sowie aus den Bereichen Sales, Finance und der IT-Abteilung.
In Köln verbleiben neben Brainpool die Sendeabwicklung für beide Sender sowie die Produktion der Sendungen 17, Liebe, Sex & Video, Loveline und je nach Programmreform, Die Show von Sarah Kuttner. Dass der Sender Viva Plus ebenfalls weiterhin in Köln bleiben wird, ist fast schon als Überraschung zu werten.
Zusammenfassend erläutert Catherine Mühlemann, die demnächst alleinige Geschäftsführerin von MTV und VIVA, die weitere Vorgehensweise wie folgt: „Wir werden jetzt unter Hochdruck an den neuen Strukturen arbeiten und möglichst rasch mit der Umsetzung der Strategie beginnen. Unsere erste Priorität ist hier an neuen Inhalten zu arbeiten, insbesondere möchten wir mehr in lokale Eigenproduktionen investieren. Dabei werden wir uns auch darum bemühen, so schnell wie möglich gemeinsam mit Betriebsrat und Mitarbeitern eine faire Lösung zu finden."
Auch NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück findet angesichts des bevorstehenden medialen Strukturwandels gewohnt diplomatisch ausgewogene Worte und resümiert landesvatertypisch: „Auf der Basis des gefundenen Kompromisses sehen wir gute Chancen für die Entwicklung des Standorts Köln. Ich habe Verständnis dafür, dass Viacom im Zuge der Integration von Viva sich aus betriebswirtschaftlichen Gründen zum Teil neu aufstellen muss. Dabei bedaure ich, dass nicht alle Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz behalten können. Ich gehe allerdings davon aus, dass ein langfristiges strategisches Engagement von Viacom im deutschen Medienmarkt auch langfristig wieder neue Arbeitsplätze schaffen kann."
Zu guter letzt kam auch noch mal Mr. Viva himself zu Wort. Noch Vorstandsvorsitzender Dieter Gorny kommentiert den Vorgang mit: „Ich halte dies für eine standort- und wirtschaftspolitisch vernünftige und faire Lösung. Ich bin mir sicher, dass diese Pläne Viacom die nötigen Wachstumspotentiale bieten, so dass auch der Standort NRW in Zukunft von diesen Entscheidungen und Entwicklungen profitieren wird."
Auch Gorny darf nicht mit nach Berlin, bekommt aber mit der Leitung des MTV Networks Europe Business Development Department einen gänzlich neugeschaffenen Tätigkeitsbereich zugewiesen, der in Köln angesiedelt wird. Hier wird er weit weg von Mühlemann im Spannungsbogen zwischen Brüssel, London und Köln neue Geschäftsfelder erschließen und nebenbei, wie bekannt gegeben wurde, die „Musikförderung in NRW ausbauen um den deutschen Nachwuchs zu fördern“.
Der Umbau soll bis Mitte des Jahres vollzogen sein. Wie es mit dem Programm als auch der Ausrichtung des Gesamtsender Portfolios weitergehen wird, soll im Laufe des Frühjahrs bekannt gegeben werden. Wie feinfühlig auf der Mitarbeiterversammlung bei Viva verkündet wurde, werde es in Berlin bei MTV und MTV2Pop im Zusammenhang mit den nun verkündeten Reformplänen keine betriebsbedingten Kündigungen geben.
Für die meisten der Viva-Beschäftigten, so sie denn nicht ein Angebot aus dem Sozialplan vorziehen, bleibt daher nur das Erfolgsmodell Josef Andorfer. Der Lebenspartner von Mühlemann verlor unlängst ganz unverhofft sein Broterwerb als Geschäftsführer von RTL II und erstritt sich juristisch bis auf weiteres seine Weiterbeschäftigung bei dem Sender. Bleibt abzuwarten, ob auch Viva-Mitarbeiter ähnlich erfolgreich den Rechtsweg für den Erhalt ihres Arbeitsplatzes beschreiten werden. (tar) |
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