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Pop-Report vom 15.02.2009 |
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CD Kritik
Phillip Boa and The Voodooclub: "Diamonds Fall"
Überzeugendes Album des einstigen Enfant Terrible
Selten war die öffentliche Aufmerksamkeit für ein Phillip Boa-Album größer als für das aktuelle Werk "Diamonds Fall", was nicht nur am prominenten Mitmusiker, dem Can-Schlagzeuger Jaki Liebezeit, liegt.
Nach diversen künstlerischen Neufindungen in den 90ern mit durchwachsen Ergebnissen hatten viele den Glauben verloren, vom einstiegen deutschen Indie-König, dessen Singles im NME gelobt wurden, noch einmal Substantielles zu hören. Und auch Boa selbst hatte wohl Zweifel an seinem kreativen Output. Also alles auf Anfang: Seit "C 90" (2003) ist der Pop-Grantler wieder mit der schrägen Chanteuse und Muse Pia Lund künstlerisch verbandelt und besann sich inspiriert von der Energie junger Bands auf alte Stärken, ohne in die Selbstplagiat-Falle zu tappen.
Und siehe da, von Platte zu Platte steigerte sich der Dortmunder und lieferte zuletzt die großartige CD "Faking To Blend In" ab. Diese wie auch "Diamonds Fall" produzierte Tobias Siebert (Klez.e, Delbo), der als Boa-Fan anscheinend besser als Boa selbst weiß, wie ein neues Voodooclub-Album zu klingen hat.
"Diamonds Fall" profitiert wieder einmal vom Spannungsverhältnis Boa/Lund, die das deutsche Pendant zu Mark E. Smith und Brix (The Fall) bilden. Der Gegensatz der beiden katapultiert Songs wie "Valerian", eine melancholische Über-Hymne, die wie ein Roadmovie Soundtrack klingt, oder den schrägen Popsong "The Race Is Over" in die Liga der besten Boa-Songs überhaupt. Trommler Jaki Liebezeit kommt mit seinem konzisen Spiel besonders bei den beatgetriebenen Rockstücken wie "Fiat Topolino" oder "Coppergirl", mit einem wummernden Peter-Gunn-Bass, zur Geltung. Der pluckernde Opener "Diamonds Fall" beweist gar seiner Band Can die Referenz.
Bei aller ungestümen Energie, die beispielsweise in klassischen Boa-Nummern wie "DJ Baron Cabdriver" steckt, präsentiert "Diamonds Fall" Phillip Boa als gereiften Songwriter. Die Kategorie "Alterswerk" ist zu hoch gegriffen, aber die Entwicklung geht klar in Richtung ausgefeilter Midtempo-Stücke wie "Lord Have Mercy With The 1-Eyed" oder "Jane Wyman". "Diamonds Fall" krankt ein wenig daran, dass sich die Rezepte bei zunehmender Laufzeit wiederholen und sich ein Gewöhnungseffekt einstellt. Vermisst werden hier die anarchischen, unberechenbaren Elemente, für die der frühe Boa geliebt und gefürchtet wurde. Andererseits würde man ihm den egomanischen Avantgarde-Derwirsch auch nicht mehr abnehmen.
Mit "Diamonds Fall" entdecken jetzt viele Thirty-Somethings und Musik-Feuilletonisten den (Indie-) Held ihrer Jugend wieder und Philipp Boa liefert mit Hilfe des Voodooclub und Produzent Tobias Siebert ein reifes Album ab, das Erinnerungen an seine besten Veröffentlichungen weckt.
"Diamonds Fall" von Phillip Boa and The Voodooclub ist bereits erschienen (Rough Trade).
Tourdaten
26.02.2009 Saarbrücken - Roxy
27.02.2009 Lingen - Alter Schlachthof
28.02.2009 Erfurt - Gewerkschaftshaus
01.03.2009 Berlin - Postbahnhof
03.03.2009 Heidelberg - Karlstorbahnhof
04.03.2009 Köln - Gloria
05.03.2009 Bremen - Lagerhaus
06.03.2009 Hamburg - Markthalle
07.03.2009 Herford - X
08.03.2009 Stuttgart - Röhre
10.03.2009 Bochum - Matrix
12.03.2009 Rostock - Mau
13.03.2009 Dresden - Reithalle
15.03.2009 München - Backstage
www.phillipboa.de
www.myspace.com/phillipboaandthevoodooclub
Phillip Boa & The Voodooclub live in Bochum (ra) |
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